Stadt feilt am künftigen Aussehen

Experten haben acht Baupläne, Umgehung und Umlegungen auf dem Tisch

Seligenstadt – Acht Bebauungspläne, die Umgehungsstraße sowie die Planungsmaßnahme Bleiche/ Jahnsportplatz/ Stadtwerkegelände – an Beschäftigung mangelte es dem Seligenstädter Amt für Stadtentwicklung wahrlich nicht. Ein Rückblick zeigt, dass die Vita mancher Projekte (Bahnhofsgelände, Ehemalige Don-Bosco-/ Matthias-Grünewald-Schule) bis ins Jahr 2012 zurückreicht, Vorhaben wie ‚Alter Stadtwaag‘ oder Nordring II (beide 2020) dagegen fast taufrisch auf den Tisch kamen. Bis ins Jahr 2011 reicht indes die Planung des dritten Umgehungs-abschnitts zurück – ein Vorhaben, das nach der Pleite der Gauff- Ingenieure sowie der Neustrukturierung der Straßenbehörde und Auflösung der Fachabteilung von Hessen Mobil nur noch schemenhaft am Horizont zu erkennen ist. Dennoch dürfte die Einhardstadt in einigen Jahren ein völlig neues Gesicht bekommen, sollten die diversen Vorhaben auch umgesetzt werden.

Ein Überblick:

• Bebauungsplan Nr. 87 ‚Alter Stadtwaag‘
Die Stadt hat ein Entwicklungskonzept für das Gelände des ehemaligen Jahnsportplatzes in Auftrag gegeben, das auch den Neubau einer Wettkampfhalle beinhaltet. Weitere Planungsziele sind der Erhalt des Grünzugs zwischen Bleiche und Mainufer, die Verwandlung der Kreuzung Jahnstraße/ Ellenseestraße/ Kapellenstraße in einen Kreisel sowie die Errichtung von Wohnbau- und Gemeinbedarfsfläche. Dabei werden auch der Ausbau der Konrad-Adenauer-Schule zur Ganztagsschule und eine Rad- und Fußwegeverbindung in Nord-Süd-Richtung berücksichtigt. Die Stadtverordneten-versammlung hat im Juni 2020 die städtebaulichen Varianten zur Kenntnis genommen, die Verwaltung begann mit der Aufstellung des Bebauungsplanes. Ein Planungsbüro für die Bauleitplanung ist gefunden, das Verfahren wird im Laufe des Jahres durchgeführt.

• Bebauungsplan Nr. 81 ‚Bahnhofsgelände‘
Im Laufe des Jahres 2020 wurde die Planung für die Zentrale Busstation und für die Umgestaltung der Eisenbahnstraße abgeschlossen. Die Arbeiten sollen im Frühjahr beginnen. Parallel kann das Bauleitplan verfahren durchgeführt werden. Die erforderlichen Gutachten sind bereits überarbeitet. Außerdem wurde für das Gelände südlich des Bahnhofs, das die Stadt 2015 von der Deutschen Bahn gekauft hat und auf dem zum Teil ein PR-Platz entsteht, das Verfahren zur ‚Freistellung von Bahnbetriebs-zwecken‘ veranlasst. Dieses Verfahren wird vom Eisenbahn-Bundesamt betrieben, ist aber noch nicht abgeschlossen.

• Entwicklung des Wohnbaugebietes
‚Südwestlich des Westrings‘
„Die Verwaltung und die mit der Erschließung des Wohnbaugebietes beauftragte Entwicklungsgesellschaft Terramag haben auch 2020 mit Hochdruck an dem Projekt gearbeitet“, so ein Magistratsbericht. Die einzelnen Schritte sind: städtebauliches Konzept, Aufstellung des Bebauungs-plans, Einleitung des Umlegungsverfahrens, förmliches Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans mit frühzeitiger Beteiligung der Bürger und Träger öffentlicher Belange sowie Abwägung der Anregungen und schließlich Bebauungsplanentwurf. Den beschlossen die Stadt-verordneten in der Dezember-Sitzung, sodass nun die Offenlage des Bebauungsplanes erfolgen kann.

• Umgehungsstrasse 3
Bauabschnitt/Bebauungsplan Nr. 54.1
‚Nordring II, 1. Änderung‘ Die Planungen zur Trassenführung hat ergeben, dass das Gewerbegebiet ‚NordringII‘ aufgrund des Brückenbauwerks über die Bahntrasse nicht wie vorgesehen über eine Verlängerung der Friedrich-Ebert-Straße an die Umgehungsstraße angebunden werden kann. Daher muss der städtische Bebauungsplan Nr. 54 ‚Nordring II‘ so geändert und erweitert werden, dass eine Anbindung über die verlängerte Wilhelm-Leuschner-Straße bzw. im Osten des Gewerbegebietes möglich ist. Außerdem sollte die Lücke zwischen Gewerbegebiet und Wohngebiet Niederfeld geschlossen werden. Den Aufstellungsbeschluss hatten die Stadtverordneten im Februar 2020 verfügt. Wie bereits berichtet beantragte das mit der Gesamtplanung beauftragte Planungsbüro Gauff aber im Sommer Insolvenz. Daraufhin kündigte Hessen Mobil den Ingenieur-Vertrag. Für die Beauftragung eines neuen Planungsbüros ist erneut eine europaweite Ausschreibung erforderlich. Weitere Hiobsbotschaft: Im Herbst 2020 wurden durch Beschluss der Bundesregierung die Arbeitsbereiche innerhalb von Hessen Mobil verlegt, ‚mit dem Ergebnis, dass das für die Umgehungsstraße zuständige Planungsteam aufgelöst wurde, was zu einer weiteren Verzögerung führt‘, so der Magistrat in seiner Antwort auf eine CDU-Anfrage.

• Bebauungsplan Nr. 63.1
‚Gewerbegebiet südlich der Dudenhöfer Straße, 1. Änderung‘

Um zusätzliche Verkehrsanbindung für das Neubaugebiet ‚Südwestliche des Westrings‘ an das Gewerbegebiet Dudenhöfer Straße zu schaffen, muss der Bebauungsplan Nr. 63 geändert werden. Außerdem soll eine Fläche für den Gemeinbedarf (z.B. Kindergarten) am Rand des Gebietes geschaffen werden. Für die notwendige Bebauungs-planänderung haben die Stadtverordneten im September die Einleitung des Bauleitplanverfahrens beschlossen. Auswahlverfahren und Vergabe des Auftrags an ein Planungsbürosollen im ersten Quartal folgen.

Baugebiet Westring aus der Vogelperspektive:
Bis 5. März liegt der Bebauungsplanentwurf öffentlich aus (Anmeldung erforderlich). FOTO: HAMPE

• Bebauungsplan Nr. 88
‚Westlich der Steinheimer Straße‘
Die Stadt ist schon seit Längerem bemüht, gemeinsam mit den Eigentümern und Betreibern den Einzelhandelsstandort an der Steinheimer Straße zu sichern und zu optimieren. Nachdem die Kündigung des Mietvertrages für den Edeka-Markt publik wurde und Befürchtungen entstanden, dass dort stattdessen Wohnbebauung entstehen soll, folgten Schritte für eine bauordnungsrechtliche Regelung. Die Stadtverordneten versammlung beschloss im November eine Veränderungssperre und die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Areal zwischen Steinheimer Straße, Ellenseestraße, Unterbeune und Querstraße. Zielsetzung ist eine städtebauliche Neuordnung, um die gewerblichen Nutzungen abzusichern: ‚Die Einzelhandels märkte sind wichtig für die Lebensmittelversorgung des Seligenstädter Nordens‘, kommentiert der Magistrat.

• Umlegungen
Nachdem die Umlegung eines weiteren Abschnitts des ‚Gewerbegebietes südlich der Dudenhöfer Straße‘ abgeschlossen wurde, konnte 2020 mit dem Straßenausbau dort begonnen werden. Durch die neue Franz-Hell-Straße ist eine zweite Anbindung des Gewerbegebietes an das Straßennetz entstanden. Gleichzeitig wurde auch der Westring zwischen Kreisel und Odenwaldring endgültig ausgebaut. Die abschließenden Pflanzarbeiten sind im ersten Quartal geplant.

• Grundstücksan- und -verkäufe
Die Stadt konzentrierte auch im Vorjahr ihre Bestrebungen auf Vermarktung der Grundstücke in den Gewerbegebieten ‚Südlich der Dudenhöfer Straße‘ und ‚Nordring II‘. Dort wurden acht Grundstücksgeschäfte abgewickelt. Da bei drei älteren Wohnbaugrundstücke die Käufer zurückgetreten sind, wurden diese erneut den Interessenten auf der Bauplatzbewerberliste angeboten. Zwei Verkäufe hat die Stadtverordneten versammlung noch im Dezember beschlossen, der dritte folgt im Februar. Insgesamt hat die Stadtverordnetenversammlung Verkäufe in Höhe von 4,4 Millionen Euro beschlossen. Mehr als die Hälfte der daraus resultierenden Einnahmen fließen jedoch erst im Jahr 2021, da die Beurkundungen noch ausstehen. Kassenwirksam wurden immerhin etwa 2,1 Millionen, die zum Teil aus Verkäufen resultieren, die bereits 2019 beschlossen wurden.

mho

Von Sträuchern und Büschen befreites hinteres Bahnhofsgelände:
Buswendeanlage, Parkplätze und Bebauung sind geplant. FOTO: HOFMANN